Kommunikation
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• Forschung
• Schule
• Gesundheit
• Tierhaltung und Tierschutz
• Und sonst so

Foto: David Ausserhofer

DAS WARS!
Oktober 2024: Nach gut 40 Jahren im Arbeitsleben bin ich nun im Ruhestand.
Durch Zufall kam ich 1984 in den Journalismus und bin dort geblieben. Weiter unten befindet sich eine Auswahl von Texten, die ich über die Jahre hinweg zu unterschiedlichen Themen geschrieben habe: Manche sind putzig, manche im Rückblick interessant, einige sind immer noch aktuell und wieder andere erweisen sich als Träume.

Von ausnahmslos allen Menschen, denen ich auf meinem beruflichen Weg begegnet bin, habe ich viel gelernt. Dafür bin ich sehr dankbar!

Dass ich recht bald meinen Schwerpunkt beim Thema Wissenschaft gefunden habe, sehe ich im Rückblick als Glücksfall: Journalismus und Wissenschaft sind einander ähnlich, sie erfordern Neugier, Distanz, Unbestechlichkeit. Und wenn ich etwas staatstragend werden darf: Beiden wird im Artikel 5 unseres Grundgesetzes besondere Freiheit zugewiesen – und damit besonders große Verantwortung und Verpflichtung. Heute gilt mehr denn je, sie auch wahrzunehmen!

Ich werde auch im Ruhestand aktiv die Welt beobachten, neugierig bleiben und mich engagieren. Als Mitglied im DJV sehe ich ermutigende Entwicklungen im Berufsstand: ein intensives Engagement für Qualität im etablierten Journalismus und junge Leute mit tollen Ideen zu neuen zeitgemäßen journalistischen Formaten. Ermutigend sind auch die vielen, journalistisch hochklassigen Angebote, die rein Abo-finanziert oder gemeinnützig arbeiten. Besonders empfehlenswert finde ich: abgeordnetenwatch, RiffReporter, TableMedia, Correctiv, atmo (Fortsetzung Greenpeace-Magazin).

Ich bin jetzt also in Rente – aber weg bin ich nicht.
Also bitte gerne melden, wer Lust dazu hat oder den Kontakt nützlich findet.

Meine Stationen

 

1976 nach dem Abitur wenige Monate Buchhändlerlehre; dann doch noch Studienplatz in Tiermedizin, Doktorarbeit; ein bisschen Großtierpraxis und schließlich Wechsel in eine ganz andere Branche, in der ich den Rest meines Berufslebens bleiben sollte: den Journalismus mit Schwerpunkt Wissenschaft und Bildung.

1984 Volontariat und erste Stelle in Hannover bei Land-Report, einem (damals) renommierten Landwirtschaftsblatt im Madsack-Verlag; ab 1987 dann Freie mit Schwerpunkt Agrarjournalismus für Tages- und Fachpresse sowie fürs Fernsehen; Umzug nach Bonn und Aufbau der Schwerpunkte Wissenschaft und Bildung, auch Medizin.

1990 Redakteurin in Bonn bei der Deutschen Universitäts-Zeitung (DUZ). Danke den lieben KollegInnen und allen AkteurInnen im Hochschulbetrieb für die tolle Zeit und Freundschaft bis heute!

1997 Wechsel auf die andere Seite der Kommunikation als Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit (so hieß das damals noch) des Stifterverbandes. Denke gerne zurück an die geniale Zusammenarbeit mit Generalsekretär und Förderabteilung.

2005 ging es dann zur Leitung der Unternehmenskommunikation (so musste es jetzt heißen) im Forschungszentrum Jülich. Danke allen engagierten MitarbeiterInnen und den vielen für Kommunikation aufgeschlossenen WissenschaftlerInnen. Hier durfte ich miterleben, dass und wie scheinbar unterschiedliche Forschungsgebiete wie Umwelt und Energie oder Neurowissenschaften und Supercomputing aufeinander zugingen, miteinander kooperierten und voneinander profitierten.

2009 nächster Schritt zu interessanten, aber letztlich nur vorübergehenden Jobs wie dem Aufbau einer (bisher nicht gegründeten) Stiftung zur Förderung wagemutiger Forschung (von 2010-2012) oder der Leitung des Referates Gesundheitsforschung im BMBF. Nach einigen Monaten Ausfall durch Krebs bekam ich dankenswerterweise 2013 beim Human Brain Project für zwei Jahre die Chance zum Wiedereinstieg ins Berufsleben.

2016 Beginn der Selbstständigkeit mit vielen spannenden Aufträgen in Sachen Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit zum Beispiel der Universität Jena, des Lernmanagementsystem itslearning, des Nationalen MINT Forum oder auch von 4ING. Allen Beteiligten danke ich für die lehrreiche, spannende und sehr produktive Zusammenarbeit.

2020 kam Corona – und kurioserweise zeitgleich eine halbe Stelle beim DLR Projektträger im Team der Gesundheitskommunikation parallel zu meiner selbstständigen Tätigkeit. In dieser Zeit schrieb ich (wieder) so viele Texte wie in meinen ersten Berufsjahren. Danke allen, dass ich mich trotz Homeoffice schnell als Teil des Teams fühlen durfte!

2024 im April 66 Jahre alt und ab Oktober dann endgültiger Einstieg in die Rente.

Meine Partner

 

Für stets richtig gute, weil professionelle (!!!) Zusammenarbeit danke ich herzlich diesen ExpertInnen! Ich empfehle sie ganz ausdrücklich allen, die in jeder Hinsicht anständige (sic) Partnerinnen und Partner suchen. Dass außerdem tolle Freundschaften entstanden, war und ist ein wunderbarer Bonus:

Meine Themen

 

Hochschul- und Wissenschaftspolitik

Als ich 1990 zur Deutschen Universitäts-Zeitung (DUZ) kam, war sie gerade passiert: die Wende. Mit welchem Selbstverständnis und damit welcher Rollenverteilung dies geschah, konnte man am Beispiel von Hochschulen und Wissenschaft gut ablesen: Der Leitbegriff hieß Evaluation. Die ostdeutschen Hochschulen sowie die einzelnen WissenschaftlerInnen wurden über den Wissenschaftsrat von ihren westdeutschen KollegInnen bewertet und (aus)sortiert. Im wahrsten Sinne des Wortes eine Herausforderung – für beide Seiten. Für mich als Kind einer „geteilten“ Familie war dieses Thema Herzenssache, so dass ich von Anfang an vor Ort recherchierte und über die Ereignisse berichtete. Meine Bilanz 2019, also 30 Jahre nach der Wende: Das Zusammenwachsen ist abgeschlossen, hat aber Narben hinterlassen.

Besonders kurios: Die Ostdeutschen sollten ein Hochschulsystem einführen, das sich selbst für reformbedürftig hielt. Entsprechend berichteten und kommentierten wir seit Anfang der 90er-Jahre in der DUZ über die Reform der Hochschulen und ihre Themen wie das Kerncurriculum, die Rolle des Nachwuchses, Studiengebühren, Autonomie oder die Entwicklung neuer Studiengänge. Ich war 1993 wohl eine der ersten, die über das Thema Promotionsbetrug schrieb – und über das fast 20 Jahre später sogar eine Wissenschaftsministerin fiel. Etliche Themen sind erledigt, andere bleiben aktuell (Gründerlehrstühle) – und bei manchen hat sich angesichts des Angriffskrieges auf die Ukraine die Perspektive komplett gewendet: Einen Krieg gab es in Europa 1995 schon einmal (Jugoslawien), aber er war anders motiviert und führte zu anderen Schlussfolgerungen wie die damaligen Stichwörter Konversion, globale Abrüstung und Friedensdividende zeigen.

Als freie Journalistin (ab 2016) konnte ich auch die Aktivitäten in den EU-Ländern intensiver beobachten. So habe ich 2017 über die wissenschaftsfeindlichen Vorgänge in Ungarn oder die Folgen des Brexit in Großbritannien geschrieben – beides leider nach wie vor aktuell. Weiterhin berichtete ich zu Nachwuchsthemen wie die Karriereoptionen in verschiedenen EU-Ländern oder die deutsche Medizinpromotion im europäischen Vergleich (der Titel war übrigens nicht meiner…). Von 2018 bis 2021 schrieb ich in einer festen Kolumne für die DUZ, wie Repräsentanten der Mitgliedsländer in Brüssel die Aktivitäten der EU einschätzten.

Forschung

In der Forschungslandschaft hat sich in den vier Jahrzehnten zwischen 1984 und 2024 einiges verändert: Forschende begannen immer häufiger, den Elfenbeinturm zu verlassen, um nun im Team zu arbeiten – sei dies zwischen Grundlagen und Anwendung, institutionenübergreifend, (wirklich) interdisziplinär und international, wobei sich der Blick auf die Rolle der EU sehr aktuell liest. Ein besonders schönes Beispiel für diesen Wandel ist die Klimaforschung. Dort fand ich auch ein Beispiel dafür, was sich noch geändert hat: Forschende müssen nicht mehr gebeten werden, sondern sie wollen über ihre Arbeit mit der Öffentlichkeit sprechen. Anfang des Jahrtausends hatte das Thema Wissenschaftskommunikation Fahrt aufgenommen; die damaligen Beiträge (darunter auch einer von mir) sind immer noch ganz interessant.

Angemessen dimensionierte Forschungsinfrastrukturen (Fahrplan in die Zukunft, Die nächste Roadmap startet, Funkstille im Ministerium, Technik für die Zukunft) sind eine wesentliche Grundlage in der modernen Forschung; sie im Verbund aufzustellen ist offenbar nicht ganz einfach. Man könnte mal den aktuellen Stand prüfen…

Meine wichtigste Erkenntnis aus meiner Zeit am Forschungszentrum Jülich Anfang der 2000er-Jahre: Das Supercomputing ist aktuell die Schlüsseltechnologie über alle Disziplinen hinweg. Zunächst ging es vor allem darum, möglichst viele Rechenoperationen und komplexe Daten zu verarbeiten und auch der Praxis zugänglich zu machen. Inzwischen steht die eigenständige Verarbeitung von Daten (Stichwort KI) immer stärker im Vordergrund. Wie ehrgeizig die Ziele sein können, zeigte das Human Brain Project, das ich von 2013 bis 2015 als Projektmanagerin begleiten und die deutschen Beiträge beschreiben durfte. Die bemerkenswerten Möglichkeiten des Hochleistungsrechnens – jedenfalls bei den klassischen aktuellen Rechnern – gehen mit einem immensen Energiebedarf einher. Die Arbeiten am FIAS sind inzwischen in der Praxis Maßstab geworden. Aber wer weiß wie lange das überhaupt noch relevant ist, denn die nächste Generation von Rechnern, die  Quantencomputer, arbeiten nicht mehr auf der Basis von Chips, sondern von Atomen – mal sehen, welche Herausforderungen daraus in der Praxis erwachsen.

Schule

Zum Thema Schule kam ich gerade rechtzeitig vor der Corona-Krise. Die Erkenntnis, dass digitale Medien, vor allem aber pädagogisch fundierte digitale Methoden in den Unterricht einziehen müssen und wie man dies gestaltet, entwickelte sich nur zäh. Die in Bildungsthemen stark engagierte Deutsche Telekom Stiftung beauftragte mich, als Freie Journalistin über die Rahmenbedingungen und Risiken zu schreiben oder auch Fachleute sowie engagierte Prominente zu interviewen.

Eine Lernplattform und die daraus erwachsenden Chancen für den Unterricht lernte ich dabei näher kennen. In der Krise waren bekanntlich die Schulen im Vorteil, die sich bereits damit befasst hatten. Bis heute gibt es große Lücken von der Lehrkräfteausbildung bis hin zur Ausstattung in den Schulen – ein nach wie vor aktuelles Thema also…

Gesundheit

Mitte der 80er-Jahre – sorry für die schlechte Qualität der Arbeitsproben aus dieser Zeit – schrieb ich als gelernte Tierärztin (und seinerzeit noch unter meinem Mädchennamen Settler) naheliegenderweise zunächst relativ viel über Gesundheitsthemen an der Schnittstelle von Mensch und Tier. Heute ist One Health in der Politik angekommen, damals aber war die Verbindung vor allem dem tierärztlichen Berufsstand überlassen. Hormone im Fleisch war so ein Thema, das sich über mehrere Jahre hinzog. Es war ein regelrechter Skandal, über den ich zunächst für die Fachpresse, dann aber trotz meines Status als noch unbekannte Freie Journalistin sehr schnell für Tageszeitungen und Fernsehen berichten konnte. Der Grund: Als Veterinärin hatte ich einmalige Einblicke und Zugänge in sonst eher abgeschottete Bereiche wie Mastbetriebe oder Schlachthöfe. Immerhin ging es um illegale Kälbermast mit Hormonen und mögliche Folgen für die Gesundheit der Menschen. Gegenwind, aber auch selbstkritische Diskussion gab es reichlich in der Bauernschaft, deren Lobbyisten, in der Politik und natürlich auch bei den einschlägig beteiligten Pharmaunternehmen. Richtig heikel wurde es, als die USA Wirtschaftssanktionen androhten.

Damals wurde übrigens auch sehr intensiv über eine auf den Menschen übertragbare Erkrankung diskutiert: die BSE, auch Rinderwahn genannt, heute offenbar kein Thema mehr.

Natürlich schrieb ich Ende der 80er-Jahre auch viel über Tiergesundheit, dies aber vor allem in der landwirtschaftlichen Presse. Tierseuchen wie die MKS (Maul- und Klauenseuche) glaubte man damals so gut im Griff zu haben, dass eine Impfung unnötig erschien. Seitdem galt sie als besiegt – bis sie 2024 wieder auftrat; das Thema ist also doch noch aktuell.

Hin und wieder habe ich über den tierärztlichen Berufsstand (meine Ex-KollegInnen) berichtet. Leider klingen die Inhalte bspw. zu den Themen Einkommen oder Lebensmittelüberwachung ziemlich aktuell – die Ursachen dafür könnte man auch mal ausführlicher beschreiben…

In den 90er-Jahren kam die Gentechnik, ihre Risiken und immer mehr auch Chancen in die öffentliche Diskussion. Zwischen meiner Zeit bei der DUZ und dem Stifterverband legte ich Ende 1996 eine kurze Pause ein und erstellte im Auftrag der damaligen NRW-Wissenschaftsministerin Anke Brunn eine Broschüre über den Stand des Wissens in der gentechnischen Forschung anhand von Beispielen in diesem Bundesland. Für die Umsetzung hatte ich freie Hand, an meiner Seite Armin Hingst, der sich in das Thema reinfuchste und es hervorragend grafisch aufbereitete. Aus Sicht der SPD-Politikerin war das Thema ein Wagnis, denn es war seinerzeit sehr umstritten, Stichwort Dolly. Daher titelten wir die Broschüre Gene, Genius und Gewissen. Für mich war es eine Entdeckungsreise, denn in meinem Studium (1976-1982) gab es davon noch gar nichts. Wie sich die Techniken inzwischen weiterentwickelt haben und Anwendung finden, erfuhr ich 20 Jahre später an diesem Beispiel aus der Alzheimer-Forschung.

Die vielen Texte, die ich in den vier Jahren beim DLR Projektträger (vor allem für die Auftraggeber BMBF und BMG) schrieb, erlaubten mir einen Einblick in die neuesten Entwicklungen in der Gesundheitsforschung wie neue Formen der Zusammenarbeit national und international oder die Perspektiven der Forschenden.

Tierhaltung und Tierschutz

Heiß diskutiert wurden Mitte der 80er-Jahre die Themen Tierhaltung und Tierschutz, vor allem bei Schweinen und Hühnern. Ich arbeitete seinerzeit nach meinem Volontariat beim traditionsreichen Fachblatt Land-Report (inzwischen eingestellt), hatte dort unter anderem auf Wunsch des Chefredakteurs eine eigene Kolumne (damals noch etwas Besonderes, eine Tierärztin in der Redaktion zu haben…). In meinen Berichten schrieb ich über die Folgen für die Gesundheit der Tiere, aber auch über die Diskussionen im bäuerlichen Berufsstand, denn das Thema Tierschutz wurde immer wichtiger für Landwirte wie Verbraucher gleichermaßen immer wichtiger. Die Bauernlobby in Berlin sprach aber damals wie heute nur über die (angeblichen) wirtschaftlichen Nachteile der Umstellungen – und verzögert so noch immer die seit 40 Jahren überfälligen Umstellungen.

Die Bauern selbst waren damals auch auf einem anderen verwandten Gebiet schon weiter als ihre Lobbyisten: Sie engagierten sich im Naturschutz und bekamen Unterstützung durch die landwirtschaftlichen Fakultäten.

Und sonst so?

Gerade als freie Journalistin habe ich mich immer wieder mit Themen jenseits meiner Schwerpunkte befassen dürfen. Für das ZDF-Studio in Bremen produzierte ich 1987 allerlei Nachrichtenstücke (NiF), beispielsweise über einen neuen Flugsimulator und die Abschaffung der Aufnahmetests für Abc-Schützen oder lauerte mit einem Kamerateam Rudi Völler vor seinem Haus auf, um ihn als erste zu fragen, ob er wirklich zum AS Rom wechselt. Ich schrieb über Urwaldpferdchen, interviewte einen Flamenco-Professor oder sprach mit Gewerkschaftern unter dem Titel Azubis brauchen mehr Wertschätzung über die Rolle der Beruflichen Bildung.

Tatsächlich interessiere ich mich bis heute eigentlich für alles, möchte den Dingen auf den Grund gehen und verstehen, was Menschen bewegt. Unstillbar neugierig halt.